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Nachruf Dr. Norbert Grosse
Die DGZMK und die APW trauern um Dr. Norbert Grosse
Mit großer Trauer nimmt die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) und die Akademie Praxis und Wissenschaft (APW) Abschied von Dr. Norbert Grosse, der am 15. Oktober 2026 verstorben ist. Er hat die zahnmedizinische Fortbildung über Jahrzehnte entscheidend mitgestaltet und zahlreiche Kolleginnen und Kollegen geprägt. Mit großem persönlichem Einsatz, fachlicher Weitsicht und seiner ihm eigenen Zugewandtheit gegenüber Kolleginnen, Kollegen und Mitarbeitenden setzte er sich für die Weiterentwicklung der Zahnmedizin und die Fortbildung der Zahnärzteschaft ein.
Mit seiner Bescheidenheit, Neugier und Offenheit war Nobert Grosse
für die Menschen in seinem Umfeld eine große Bereicherung. Von 2006 bis 2016 stand er an der Spitze der APW gehörte damit auch dem geschäftsführenden Vorstand der DGZMK an. In dieser Zeit kümmerte er sich mit großer Umsicht um die Belange und die Weiterentwicklung der Akademie. Er konzipierte neue Kurse und Curricula mit hohem Anspruch an den Mehrwert für die Teilnehmenden, dazu entwickelte er kursbegleitende digitale Formate für die APW. Dr. Grosse war ein sehr disziplinierter Mensch, der Projekte mit Geduld und Beharrlichkeit verfolgte, wobei er zugleich für die Mitarbeiterinnen immer ansprechbar und nahbar war. Er war ein „Problemlöser", der die oft mühsame Detailarbeit nicht scheute. Konflikte ging er an, wenn es die Sache erforderte, dabei war er stets konstruktiv und klar mit feinsinnigem Humor.
Seine zahnmedizinische Laufbahn begann an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, wo er studierte und promovierte. Obwohl ihm eine wissenschaftliche Karriere offenstand, entschied er sich für die Praxis. Rund 30 Jahre war er in Wiesbaden und später in Frankfurt niedergelassen. Sein Interesse galt dabei stets dem fachlichen Austausch und der Erweiterung des eigenen Wissens. In Frankfurt gründete er einen Study Club, mit dem er international renommierte Persönlichkeiten der Zahnmedizin besuchte, darunter Albert Gerber in Zürich, Hans-Peter Weber in Boston, Myron Nevins in Swampscott und Bill Becker in Tucson. Diese Begegnungen spiegelten seine Neugier und seinen Anspruch wider, ein Leben lang zu lernen – vorzugsweise von den Besten ihres Faches.
Das Engagement von Dr. Grosse beschränkte sich nicht nur auf die zahnmedizinische Fortbildung. Von 1989 bis 1992 war er Vorstandsmitglied und Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen sowie Delegierter der Landeszahnärztekammer Hessen. Darüber hinaus gehörte er dem Bundesvorstand des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte (FVDZ) an. Über viele Jahre verantwortete er darüber hinaus den wissenschaftlichen Teil der Zeitschrift „Der Freie Zahnarzt“. Seit der ersten Ausgabe der Fortbildungszeitschrift „wissen kompakt“ im Jahr 2007 war er ihr Schriftleiter bis zum Jahr 2012.
Von 1986 bis 2010 leitete Dr. Grosse den internationalen Zahnärztekongress in Davos, von 1994 bis 2009 das Europäische Sommersymposium, zunächst auf Rügen und später auf Usedom. Zudem gründete er die Initiative „Young Dentists“ als Gemeinschaftsprojekt von DGZMK und FVDZ und koordinierte die Initiative über viele Jahre. Damit setzte er sich auch für den zahnmedizinischen Nachwuchs und dessen fachliche Entwicklung ein.
Nach seiner Zeit bei der APW übernahm Dr. Grosse die Leitung der Fortbildung bei der DGI-GmbH, die er bis Ende 2024 innehatte. Für sein herausragendes Lebenswerk auf dem Gebiet der Oralen Implantologie verlieh ihm die Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI) 2024 die Karl-Ludwig-Ackermann-Medaille. Zu seinen weiteren Ehrungen zählen die Ehrennadel in Gold der deutschen Zahnärzteschaft (BZÄK) sowie die Ehrenmitgliedschaften in der DGZMK, dem FVDZ und der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT).
Wer mit Dr. Norbert Grosse zusammenarbeitete, erlebte einen umfassend gebildeten, sportlichen und vielseitig interessierten Menschen, der immer neugierig blieb, anderen offen begegnete und zugleich klare Vorstellungen davon hatte, was gute Arbeit ausmacht. Er war ein anspruchsvoller Gestalter, der sich nicht mit halben Lösungen zufriedengab. Seine Fortbildungskonzepte waren stets sorgfältig durchdacht und fachlich fundiert. Seine fachliche Kompetenz verband er mit diplomatischem Geschick und persönlicher Zugewandtheit. Bei den Mitarbeiterinnen der APW genoss er großes Vertrauen; viele Weggefährten verbanden mit ihm nicht nur eine langjährige berufliche Zusammenarbeit, sondern auch persönliche Wertschätzung und Freundschaft. „Er war für mich nicht nur Lehrer, Förderer und ein sehr anspruchsvoller und inspirierender Gesprächspartner, sondern vor allem immer ein Vorbild und ein freundschaftlich zugewandter Begleiter“, so Prof. Dr. Christian Gernhardt, Vorsitzender der APW.
Mit Dr. Norbert Grosse verliert die Zahnmedizin einen engagierten Förderer der Fortbildung, einen konsequenten Wegbereiter und einen Menschen, der Verantwortung übernahm und andere mit seinem Einsatz prägte. In Dankbarkeit für sein langjähriges Wirken und in Anerkennung seiner Verdienste werden die DGZMK und die APW Dr. Norbert Grosse ein ehrendes Andenken bewahren.
Im Namen des Vorstandes der DGZMK, der APW und aller Mitarbeitenden der Geschäftsstelle
Bild: Dr. Norbert Grosse. 1947 – 2026, © DGI